| Während sich die längeren Spielfilme von Vivamax etwas mehr Mühe in Sachen Story geben, ist dies bei den sechzig bis siebzig Minuten langen Werken eher nicht der Fall. Die Geschichte passt meist auf einen Bierdeckel und der Sex-Anteil ist ziemlich hoch. Diese Formel kann man locker auch auf "Die Nachhilfelehrerin" (OT: "Private Tutor") anwenden. Der Film von Regie-Neuling Ryan Evangelista legt keinen besonders grossen Fokus auf die dünne Handlung, sondern konzentriert sich eher auf zahlreiche - mal mehr, mal weniger gelungene - Sexszenen.
Immerhin haben manche der Figuren so etwas wie einen Charakter und dienen nicht nur für die blosse Fleischbeschau. Joys Freund Vigo zum Beispiel ist ein echter Kotzbrocken und präsentiert sich somit als Vorzeigeexemplar der Spezies Mann. Durch ihn und Joys finanzielle Situation bringt Evangelista immerhin ein bisschen kritische Töne unter, dennoch fühlt sich der Grossteil von "Die Nachhilfelehrerin" aber nach Porno-Fantasien an. Und hier funktioniert der Film eigentlich ganz gut. Es gibt ein paar ganz ordentliche, vor allem hochwertig gefilmte Szenen und man bekommt es hin, dass man tonal deutlich zwischen den zwischenmenschlichen Interaktionen unterscheidet. So sind die gemeinsamen Sexszenen von Joy und Vigo sehr unangenehm anzuschauen, anders verhält es sich bei den Sequenzen in denen Gefühle eine grössere Rolle spielen.
Wie so oft gilt dann aber doch, dass die optischen Qualitäten der Darsteller*innen dem schauspielerischen Talent deutlich überlegen sind und somit fühlt sich "Die Nachhilfelehrerin" dann wieder nach einer Standard-Produktion von Vivamax an. Sicherlich kein Totalausfall, aber auch kein Meisterwerk. |